Beschrieben wird ein universelles HF-Anpaßnetzwerk, wobei
dieses beispielhaft für den 70cm-Bereich (um 440MHz)
dimensioniert wurde. Es zeichnet sich durch einfache
Bedienbarkeit aus und ist ohne Spezialbauelemente leicht
herstellbar. Die Dimensionierung erfolgt mit den AdLab- bzw.
ELEKTA 2000-Tools. Gewählt wurde eine Tiefpaßstruktur. Diese
hat den Vorteil Oberwellen zu dämpfen, was in der Praxis oft ein
erwünschter Nebeneffekt ist. Eine Gleichspannung wird 1:1 übertragen,
falls dies nicht erwünscht ist, kann man die Schaltung um einen
(genügend großen) Serienkondensator ergänzen. Damit wirklich (nahezu)
jede Impedanz eingestellt werden kann wurden drei
Abgleichelemente vorgesehen. Dafür werden der leichten Verfügbarkeit
wegen Trimmkondensatoren verwendet. Bild 1 zeigt die
Gesamtschaltung, die insgesamt ein elliptisches Tiefpaßfilter 3.
Ordnung darstellt (das muß man nicht wissen um die Schaltung zu
verstehen!).

Bild 1 : Gesamtschaltung (C4 ist optional). Der
bewegliche Teil der Plattenkondensatoren sollte an Masse liegen.
Aufgebaut werden kann die Schaltung je nach Frequenzbereich. Günstig
ist oft ein fliegender - möglichst kompakter - Aufbau in einem
kleinen Metallgehäuse mit SMA-Buchsen. Für größere Leistungen
empfehlen ist N- oder PL-Buchsen und Lufttrimmer mit genügenden
Plattenabstand.
Dimensionierung
Die Schaltung hat gewisse Ähnlichkeit mit dem Ersatzschaltbild
einer Leitung, und mit einer l/4-Leitung
kann man bekanntlich recht gute Anpaßschaltungen realisieren.
Wenn man nun die Werte des Ersatzschaltbildes einer l/4-Leitung für den betrachteten
Frequenzbereich berechnet, dann erhält man gute Startwerte für
die Schaltung. Für das 70cm-Band erhält man folgende Werte (siehe
Bild 2) :

Bild 2 : Ersatzschaltbild einer 50W-l/4-Leitung bei 440MHz (Berechnung mit
LTRANS : L1=18,08nH, C1=C2=7,235pF)
Die Trimmer C1 und C2 sollten die
berechneten Werte (7,2pF) gut überstreichen können (Endwert ca.
3x größer als errechnet). L1 wird etwa halb so groß
gewählt (hier 8,2nH statt der errechneten 18nH), da durch die
Parallelschaltung von C3 die effektive Induktivität ansteigt (Bild
3). C3 kann man genauso groß wie C1 bzw. C2
wählen.

Bild 3 : Die effektive Induktivität bei Parallelschaltung mit
einem Kondensator (Berechnung mit LCFILT : 8,2nH || 9pF ergeben
18,8nH bei 440MHz)
C4 sollte mindestens 5·C1 betragen. Wenn
man für eine niedrige untere Grenzfrequenz einen sehr großen
Wert benötigt (z.B. 470nF), sollte man zusätzlich
Keramikkondensatoren parallelschalten (z.B. 470pF). Um die
Schaltung für das 2m-Band oder für den UKW-Bereich abzuändern
kann man ganz analog vorgehen oder aber einfach alle Bauelemente
umskalieren. Für den UKW-Bereich multipliziert man z.B. einfach
alle Kapazitäts- und Induktivitätswerte mit 440MHz:100MHz=4,4.
Man kann die Schaltung zwar auch im Kurzwellenbereich einsetzen,
jedoch werden dann große Drehkondensatoren nötig, die u.U.
nicht leicht zu beschaffen sind.
Abgleich
Man könnte meinen mit drei Trimmern ist die Schaltung recht
kompliziert abzugleichen. Jedoch kann man sich die Funktionsweise
im Smith-Diagramm leicht veranschaulichen. Wenn man alle drei
Trimmer in etwa in Mittelstellung bringt, stellt man fest, daß
die Schaltung sich näherungsweise tatsächlich wie eine l/4-Leitung verhält, daß nämlich 50W am Eingang auch zu einer Ausgangsimpedanz
von 50W führen. Diese Einstellung ist
also als Grundeinstellung gut brauchbar (Bild 4).

Bild 4 : Die Schaltung mit Grundeinstellung im Smith-Diagramm (Berechnung
mit CSERPAR)
Allerdings ist im Gegensatz zur Leitung der Frequenzgang nicht
periodisch, sondern zeigt Tiefpaßcharakter (Bild 5). Die 1.
Oberwelle wird z.B. um 14dB gedämpft.

Bild 5 : Frequenzgang in Grundeinstellung (Berechnung mit CSERPAR)
Im Smith-Diagramm kann man die Werte nun abändern. Dabei stellt
man fest, daß C3 in erster Linie eine Veränderung
des Realteils der Impedanz mit sich bringt, während C1
und C2 eher den Imaginärteil beeinflussen. In der
Praxis wird man von der Grundeinstellung ausgehend die Trimmer
einen nach dem anderen umlaufend varieren. Beginnen sollte man
mit dem, der die stärkste Wirkung zeigt. Wenn man die Impedanzen
schon relativ gut kennt, weil man seine Schaltungen z.B. mit
einem Netzwerkanalysator durchgemessen hat, kann man natürlich
auch zuerst die Anpaßschaltung im Smith-Diagramm dimensionieren
und dann die Trimmer entsprechend voreinstellen. Die
Feineinstellung erfolgt dann in der Praxis.
Die Bandbreite ist in Bild 5 recht groß, wenn jedoch extremere
Impedanzen eingestellt werden, dann sinkt sie entsprechend. Bild
6 zeigt den Fall einer Anpassung eines 8W-Generators
auf 50W (Stehwellenverhältnis VSWR 6,25:1).
Eine kleine restliche Fehlanpassung von 1,45:1 bleibt übrig, da
die Trimmer realistischerweise nicht von Null an einstellbar sind.
Allerdings beträgt die Dämpfung trotzdem nur minimale 0,3dB (statt
3,3dB ohne Anpaßnetz). Die -1dB-Bandbreite reduziert sich auf
rund 200MHz und die Oberwellendämpfung verbessert sich, vor
allem oberhalb 1,5GHz .

Bild 6 : Schaltung getrimmt für Anpassung von 6W auf 50W (CSERPAR)
Für viele Impedanzen gibt es durchaus verschiedene Kombinationen
der Trimmerstellungen mit der selben Anpaßwirkung (bei der
Grundfrequenz). Diese Stellungen können sich allerdings durchaus
in der Bandbreite und der Oberwellendämpfung unterscheiden. Bei
Leistungsverstärkern können die Stellungen durchaus
hinsichtlich der Ausgangsleistung gleichwertig sein, jedoch im
Wirkungsgrad verschieden. Wählt man C3 recht hoch, so
ergibt sich ein steilerer Abfall im Frequenzgang, da der
Parallelschwingkreis eine Nullstelle nach sich zieht. Kleine
Kondensatorwerte bewirken einen flachen Frequenzgang, die
Schaltung wird breitbandiger und toleranzunempfindlicher.
Anwendungsbeispiel
Häufig werden Anpaßnetze bei HF-Verstärkern oder Antennen
eingesetzt. Eine erste Anwendung war die Anpassung zwischen einem
kleinen 70cm-Handfunkgerät und einem HF-Sendeverstärker. Ohne
Anpassung konnte das Funkgerät den Verstärker nur unzureichend
aussteuern, so daß die Ausgangsleistung bei direkter Verbindung
über 50W-Leitung unbefriedigend
gering blieb und auch die automatische Sende-/Empfangsumschaltung
(HF-VOX) nicht immer funktionierte (zu wenig Ansteuerleistung).
Die Anpaßbox wurde einfach in Serie zwischen Funkgerät und
Verstärker geschaltet und die Trimmer auf maximale
Ausgangsleistung an der Antenne abgeglichen. Ob man die Anpaßschaltung
direkt am Funkgerätausgang oder am Verstärkereingang anschließt
hängt von den Gegebenheiten ab : Sowohl vom Funkgerät zum
Kabel, als auch vom Kabel zum Endverstärker kann ein
Fehlanpassung vorliegen. Man sollte die Anpassung dort vornehmen,
wo das Stehwellenverhältnis größer ist. Im vorliegenden Fall
gab das Funkgerät an 50W ziemlich
genau die nach Datenblatt spezifizierte Leistung ab, während für
den Endverstärkereingang ein VSWR von 3:1 spezifiziert war. Wenn
das VSWR generell nicht allzu hoch ist bzw. das Verbindungskabel
nicht allzu lang ist, sind beide Positionen problemlos möglich.
Ist dies nicht der Fall, so kann die Bandbreite recht gering
werden. Auch diese Zusammenhänge lassen sich im Smith-Diagramm
leicht nachvollziehen.
Da bei Extremstellung der Trimmer die Anpassung auch leicht
verschlechtert statt verbessert werden kann, sollte man immer
vorsichtig, in kleinen Schritten abgleichen, speziell bei HF-Leistungsverstärkern,
da diese bei starker Fehlanpassung zerstört werden können oder
starke Oszillationen aufweisen.

L1 = 8,2nH (Luftspule : ca. 3 Wdg. 0,5mm-Cu-Lackdraht,
Innendurchmesser 2,5mm)
C1=C2=C3=1..22pF
C4=470pF
Bild 7 : Anpaßschaltung für das 70cm-Band
| Nach oben - Zur Homepage - Zu Elektroniksoftware |
Copyright © 2000 Stephan Weber. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: April 22, 2001.