Kroatien - Ein Motorradparadis / Home

Hier finden Sie weitere Motorradinfos.

Motorradfahren macht ja fast überall Spaß. Kroatien bietet nach mittellanger, meist schöner Anreise, urige Straßen und Pässe, fast einzigartige Winnetou-Naturkulissen, grandiose Schluchten, herrliche Buchten und sanfte Mittelgebirgslandschaften. Lediglich Fahrer von 150-PS-Maschinen werden nicht überall ganz glücklich, denn die Straßen sind meist recht schmal, wenn auch eher selten wirklich schlecht (da war man sehr fleißig und hat nicht nur Flickschusterei betrieben). Enduroristen kommen dagegen voll auf ihre Kosten.

Einzige Mankos vorneweg

Die Anfahrt ist nicht immer optimal, z.B. zwischen Udine und Triest ziemlich langweilig, alles flach mit zahlreichen Ortsdurchfahrten. Meine Empfehlung (ab München, wenn man Zeit hat - die ital. Autobahn ist 1 Stunde schneller): Kufstein - Kitzbühel - Paß Thurn - Felbertauern - Lienz - Plöckenpaß - Udine - Gorizia - Postojna. Wer Zeit hat kann vor allem bei schönen Wetter auch den Großglockner (statt Felbertauerntunnel) geniessen.
Die Kroaten fahren großteils wie die Henker. Gegenverkehr? Durchgezogene Line? Kein Hindernis beim Überholen! Ortsschild? Weiter mit Tempo 80! Zum Teil kann man dies ja verstehen: Autobahnen gibt es kaum und die Orte sind "dank" Krieg und Landflucht ziemlich ausgestorben. Die Polizei ist aber recht aktiv, also aufpassen auf durchgezogene Linien usw. ist angesagt.

Die Bilder habe ich bei zwei Sommerurlauben geschossen, die aber keineswegs reine Motorradurlaube waren. Insgesamt waren es rund 10 Tagestouren mit durchschnittlich 600km auf einer Suzuki DR350. Wenn man mal nachrechnet (zum Glück ist Sprit billig, etwa wie in Österreich): macht der Sprit gerade mal rund 200 Euro aus. Wenn man mal von von Reifen, Inspektionen, Sturzteile usw. absieht - also eine Sünde nicht Motorrad zu fahren.

Hier finden Sie zusätzlich Infos zu Istrien

Grundsätzlich beherbergt Kroatien ganz unterschiedliche Landschaftsformen. Im Innern ist es eher typisch deutsch, d.h. nicht extrem warm, ab und zu auch mal Schauer, immer ein paar Wölkchen (oder mehr) und mit wunderbarer satter, vor allem kaum berührter Natur. Die dichter besiedelten Küstenstreifen sind überwiegend schmal und karstig, d.h. trocken und vegetationsarm. Der Grund dafür ist, daß sich meist ein Gebirge (z.B. das Velebit) nahe an der Küste befindet. Mit seinen Fallwinden tut sich die Vegetation, vor allem auf den unzähligen Inseln schwer. Diese haben meist völlig unterschiedliche Nordost- und Südwesthälften. Grandios sind dadurch die vielen Paßstraßen über die Bergkämme, aber mitunter ist auch die Gegend wo die großen Berge mal "fehlen" (z.B. bei Sibenik) wunderschön.



Kleine Übersicht zur Orientierung

Die Tops - Nicht nur für Motorradfahrer

Also auf eine Reihenfolge oder eine Anzahl möchte ich mich nicht festlegen. Einiges kann man auch in den gar nicht so vielen Reiseführern nachlesen. Manche Sehenswürdigkeiten sind definitv einmalig und ganz unabhängig davon wie man nun unterwegs ist.

Ein Muß sind sicher die Plitvitzer Seen, nicht nur weil dort "Der Schatz im Silbersee" gedreht wurde. Grandiose, unzählige Wasserfälle in einer Wald- und Seenlandschaft. Zur Besichtigung unbedingt rund 4 Stunden einplanen. Wer nicht nur die Highlights sehen will braucht auch ohne Video und Foto länger. Motorradmässig ist die Gegend selber etwas weniger interessant, aber unweit des Nationalparks kann man gut durch die Wälder Endurowandern. Schön malerisch, sanft ist auch die Gegend um das nahegelegene Gospic. Richtig krachen lassen kann man es bei der Anfahrt von der Küste. Der Paß bei Senj ist einer der bestausgebauten und herrlich rund zu fahren. Von Süden kommend kann man den Paß bei Karlobac nehmen, auch dieser ist gut ausgebaut.



Ein Weltkulturerbe - ein winziger Teil davon

Weil es so nahe liegt: Ein Muß sind natürlich auch die Krka-Fälle nördlich von Sibenik. Hier kann man sogar baden, was in Plitvitz leider verboten ist. Statt einer Motorradtour bietet sich auch ein Bootsausflug ab Sibenik an, denn die Krka hat eine eindrucksvolle, fjordähnliche Landschaft geschnitten. Besuchen sollte man auch die Quellen der Krka bei Knin in einem märchenhaften Tal, was auch zum Mountainbiken einlädt, da sich auch schattige Plätze finden lassen. Das ist sonst in (Süd-)Kroatien eher selten, Istrien ist dagegen fast ideal.




Am ersten großen Wasserfall und bei Knin

Für Motorradfahrer dürfte das die wahre Nummer eins sein: Mali Alan - Eine urige Schotterstraße, ein filmreifes Gebirge, Winnetou I+III lassen grüßen. Interessanter ist meiner Meinung nach die Anfahrt von Süden, da man dann das grandiose Felsgebirge immer vor sich hat. Hinter dem Kamm gibt es dann verschiedene Varianten: Richtung Gospic oder westlicher in Richtung Gracac. Die längere zweite Variante ist auch optimal (wenn man Zeit hat), da man dann quasi als Nachspeise über den Prezid fahren kann, ein gutausgebauter 800m hoher Paß mit tollen Kurven vor allem auf der Südseite. Am Ende bekommt man dann den Blick auf die Krupa kurz vor Obrovac. Hier hat der Fluß eine schöne Schluchtenlandschaft geschnitten, die etwa bei Obrovac endet. Insgesamt ist das Gelände riesig groß und man kann (abseits des Hauptpasses) praktisch stundenlang fahren, ohne jemanden zu erblicken. Noch besser als eine Enduro wäre ein Trailmotorrad, wo man dann wirklich überall hinkommt.




"Der" Winnetou-Paß und Blick vom Prezid-Sattel (rechts: Der militärisch genutzte Radarturm)



Nahe der Quelle der Krupa (südlich dem Prezidsattel nach Osten)

Kein Geheimtip, sondern ein Mekka ist Istrien. Perfekter kann kein Enduro-Gelänge sein: Sanfte Hügellandschaft (nur im Norden recht alpin) und viel Wald. Leider gibt es hier aber auch etwas mehr Verbote als anderswo (z.B. im Uckagebirge). Mehr zu Istrien.



Oprtalj: Stellvertretend für das Gesamtkunstwerk Istrien

Eher ein Geheimtip, etwas abseits liegend, dafür aber umso schöner ist der Petrucki. Die Cetina hat bei Sinj (nördlich von Split) eine fantastische Fjord-Seen-Landschaft geschnitten. Leider habe ich mir beim 1. Mal keine Zeit zum Baden genommen. Absolut grandiose Farben: Das Wasser intensiv blau bis grün, die Felsen rot-braun. Später im Westen, nahe der Quelle dominiert ein sattes Grün. Nördlich, zur rechten liegt das Dinar-Gebirge und die Grenze zu Bosnien-Herzegowina. Hier fühlt man sich wie in den Alpen. Unbedingt nehmen sollte man die kleine, nördliche Schotterstraße, auch wenn die südliche Schnellstraße sicher für eine Schnellstraße toll ist.




Die Farben sind definitv nicht manipuliert!

Der höchste Berg Kroatiens ist der Sveti Jure mit knapp 1800m. Er liegt bei Makarska in einem Nationalpark. Wie immer bedeutet dies nicht, daß man nicht Motorradfahren darf, sondern das ein kleines Eintrittsgeld von 10 Kuna (ca. 1,30 Euro) fällig ist, dafür aber alles sehr gepflegt ist. Die schmale Hochgebirgsstraße schlängelt sich über hunderte von Kurven und den Gipfel erreicht man erst nach rund 45 Minuten, da der Sv. Jure relativ gut von kleineren Gipfeln abgeschirmt wird. Besonders lohnenswert ist die Tour natürlich bei guter Sicht. Angeblich kann man dann sogar bis nach Italien sehen, was aber selten der Fall sein dürfte.




1762m über der Adria und schon auf dem Rückweg

Von den vielen Pässen des Velebits stechen einige weitere heraus. Bei Stinaca (nahe der Insel Rab) gibt es einen langen Paß mit wirklich groben Schotter. Hier ist eine Enduro wirklich sinnvoll. Mit einigen Schwung kommt man aber dann auch ganz gut durch, alles endet in einer typisch deutschen Waldlandschaft. Ebenfalls wunderbar ist der Malacka-Paß bei Kastella (zwischen Trogir und Split). Hier kann man bis nach Vinovo ins Hinterland fahren und dann über eine Schotterpiste bis auf die Hauptstraße nach Sinj. Kombinieren kann man den Malacka-Paß mit einer Anfahrt über die 58 von Sibenik aus - definitiv eine der schönsten, malerischsten Straßen Kroatiens, eine Art Mini-Schwäbische-Alb, kupiertes Gelände, eine alte Bahnstrecke, überall sattes Grün. Am Schluß folgt dabei die schöne Paßabfahrt nach Trogir mit tollen Blick auf Stadt und Hafen. Der kurze Paß bei Brela (südlich von Split) ist weniger spektakulär, aber man man dann links auf die schmale Straße abzweigen ins Tal der Cetina. Es erinnert an ähnliche grüne Täler auf Kreta und führt nach Omis, sicher eine der schönsten Hafenstädte Kroatiens.



Im Tal der Cetina, nahe Brela

Paklenika ist eine schöne, tiefe Schlucht. Motorradfahrer kommen weniger auf ihre Kosten, wohl aber Wanderer (schön schattig, ein kleiner Fluß) und Kletterer (viele berühmte Routen). Natürlich war auch Pierre Brice, Lex Barker und Co. hier.



Hier trifft man sogar Kletter-Nationalmannschaften

Die Küstenstraße ist über 600km lang und hat viele Traumbuchten (fast immer mit Campingplatz!). Die schönste Stelle liegt wohl nahe der Insel Goli (unweit Starigrad). Hier wird auch schon mit Schildern "Photopoint" hingewiesen. Hier paßt alles: Das Gebirge im Hintergrund, die (schwer erreichbare) Bucht und die vorgelagerten Inseln - wenn dann noch Sonnenstand und Wolken mitspielen, kann man sicher einen halben Film verschiessen. Generell ist die Küstenstraße am interessantesten, wo das Gebirge direkt ans Meer reicht und dementsprechend auch wenig Platz für langweilige Ortsdurchfahrten ist.



In der Zrmanja-Schlucht (östlich von Gracac) wurde "Das Tal des Todes" gedreht. Im Juni ist allerdings alles noch in satten grün, der Film muß irgendwie im Spätsommer gedreht worden sein. Wirklich schwer erreichbar ist nur der östliche Teil, da der Taleingang durch Felsmassive verbaut ist. Ist gibt aber einige Wege in die Schlucht hinein.



In einer Sackgasse

Die Orte selber sind für mich als Stadtmensch eigentlich weniger interessant. Gewiss, das Kollosseum in Pula und Dubrovnik sind interessant. Aber wie gesagt als gebürtiger Berliner, in München lebend, Wien kennend,....

Die Inseln? Als Motorradfahrer fühle ich mich da eher wie in einer Sackgasse, denn keine der Inseln kann auch nur annähernd etwa mit Kreta mithalten. Einige Insel-Highlights gibt es aber schon, z.T. sogar ohne Fähre. Krk ist recht groß und interessant ist z.B, die Anfahrt nach Baska über einen schönen Paß mit riesigen Nadelwald. Ebenfalls toll der Wanderweg von Stara Baska nach Baska über ein ca. 400m hohes Gebirge hinweg. Ich bin allerdings nur gewandert, und habe beide Teilstücke nur soweit mit dem Motorrad genommen wie mir sinnvoll erschien.
Die Insel Pag ist ebenfalls über eine Brücke erreichbar und bekannt für ihre karge "Mondlandschaft" und die größte Meersalzgewinnungsanlage. Im Innern und auf der Südseite ist sie aber weit grüner. Besonders schön der Paß ab Pag nach Süden, mit tollen Blick auf die Salinen und die Stadt Pag. Essen gehen? Unbedingt im "Na Tale", etwas versteckt im Zentrum (nahe der 2. Brücke).





Auf Krk (bei Stara Baska) und auf Pag (südlich der Salinen)

Die kleine Liste hebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegenteil Anregungen erwünscht (Istrien, Binnenland,...), am besten mit Bild. Letztlich würde Kroatien aber auch ohne diese Highlights interessant sein, praktisch überall lohnt es sich ein wenig zu verweilen und ein paar Strecken abseits unter die Stollen zu nehmen.

Email an Stephan

Nach oben - Zur Homepage - Zu Privates

Copyright © 2002 Stephan Weber. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: Juni 27, 2003.