Tests und Hörproben sind schon einige veröffentlicht worden.
Doch oft werden sich sicher Leser gefragt haben: "Stimmt das
alles?", "Können die nicht richtig hinhören?"
oder "Ja, mit der Musik kann das ja auch nichts
werden?" Obwohl die Aussagen zu mp3 durchaus von
"Schrott" bis "CD-Qualität" reichen und
dadurch die Musikgemeinde z.T. deutlich verunsichert ist, muß
vorweg geschickt werden, daß das Kompressionsverfahren mp3
keineswegs das schwächste Glied in der Signalkette darstellt.
Wesentlich größer ist z.B. der Einfluß des Raums und der
Lautsprecher. Viele analoge Geräte wie Tonabnehmer oder
Kassettengeräte verfälschen die Übertragung viel deutlicher.
Andererseits haben DAT-Rekorder, CD-Player oder Kabel i.A.
wesentlich bessere Eigenschaften.
Die Kriterien
Zwar kann man Tests zu Kabeln oder verschiedenen CD-Playern nicht
völlig in den Bereich des Kaffeesatz lesens verdammen, aber eine
Gemeinsamkeit zu mp3 besteht: Die Unterschiede sind gering. Wir
wollen uns deshalb auch nicht mit der Frage beschäftigen ob mp3
für den Durchschnittsanwender gut genug ist, sondern ob das
Kompressionsverfahren auch hohen Ansprüchen genügt. Diese Frage
besteht z.B. dann, wenn man seine CD-Sammlung auf einige
mp3-CDROM schrumpfen will oder eben generell hohe Klangansprüche
hat. Auch soll hier nur am Rande interessieren, ob man auch
völlig blind, d.h. ohne direkten Vergleich mit Originalen,
mp3-Dateien erkennen kann. Schließlich bleibt ja auch ein
schlechtes Gefühl, wenn man weiß, daß die Verzerrungen
bestehen, auch wenn man sie selbst nur im direkten Vergleich
erkannt hat.
Der Aufwand für einen systematischen Test kann recht hoch sein,
gehen doch viele Parameter in die Bewertung ein: die Hörer, die
Musik, die Aufnahmequalität, die Testanlage u.v.m. Um die
Hardwarekosten nicht ausufern zu lassen, wurde eine Hifi-Anlage
mit Anschaffungskosten um 8000,- DM verwendet und diese um einen
hochwertigen Sennheiser-Kopfhörer ergänzt. Auch wurden neben
dem Ohr auch einige technische Untersuchungen gemacht. Als
Musikquelle sind CDs mit Digitalaufnahmen aus verschiedenen
Genres verwendet worden. Ergänzt wurden diese um eine
Stimmaufnahme, um auch einmal nicht nur die CD, sondern ein
echtes Original zu verwenden.
Für den eigentlichen Test sind umfangreiche Vorbereitungen
notwendig. Dies läßt einem auch viel Zeit zum spekulieren:
Für viele Hörer erwiesen sich mp3-Stücke als nicht signifikant
schlechter. Mit welcher Abtastrate soll man nun testen? Alle
Möglichkeiten zu berücksichtigen wäre extrem aufwendig, so
daß wir uns zunächst auf die 128kBit/s-Variante fokussiert
haben. In dieser Form findet man die meisten Titel auch im
Internet, da sie einen guten Kompromiss zwischen Datenkompression
(ca. 11-fach) und Qualität ergibt. Immerhin passen dann z.B.
alle 9 Beethoven-Sinfonien oder alle Beatles-Songs problemlos auf
eine einzige CD! Einige
tragbare mp3-Player lassen auch nur maximal 128kBit/s zu, was die
nötige Speicherkapazität nicht ausufern läßt und die
Überspielzeiten akzeptabel hält. Einen sehr guten,
verständlichen Beitrag durch welche Verfahren man diese hohe
Kompressionsrate erzielt ohne das die Musik auf die Strecke
bleibt findet sich in [1,2].

Bild 1 : Empfindlichkeit des menschlichen Ohrs als Funktion der Frequenz. Durch statische
und dynamische Verdeckungseffekte draf die Dynamik erheblich reduziert werden.
Welche Musikstücke soll man verwenden? Am besten solche, die man
selbst gut kennt und die in guter Qualität vorliegen. Ein ganzes
Stück komplett zu hören ist dabei für Vergleiche unpraktisch.
Schneller und trennschärfer kann man durch direktes Umschalten
testen. Zu kurz dürfen die Hörabschnitte aber auch nicht sein,
denn mitunter kommt es ja auf die Entwicklung, die Kontraste in
einem Stück an. Für den Hörtest wurden die CD-Originale als
WAV-Dateien abgespeichert und zusammen mit den mp3´s, sowie
einer Reihe von Testsignalen, auf eine CDROM gebrannt. Dies alles
geschah (wenn nichts anderes genannt wird) mit der mit den
Freeware-Programmen CDex Version 1.10 ((von einigen Zeitschriften
empfohlen und bereits zum grabben länger bei uns im Einsatz) und des Dema
mp3-Softwareplayers. Später wurde eine Vielzahl anderer
Programme als Quervergleich hinzugenommen.
Da durch reine Hörtests kaum quantitative Aussagen möglich
sind, wurden auch einige technische Signale als WAV-Datei
generiert (mit CoolEdit96) und dann komprimiert. Wenn man dann
die Differenz bildet, kann man direkt die Verfälschungen
ermitteln. Verwendet wurde ein 1kHz-Sinusburst mit
unterschiedlichen Tastverhältnis und ein 2-Ton-Signal. Mit
ersterem kann man vor allem die dynamischen Eigenschaften der
mp3-Kompression testen und mit dem zweiten Signal die
Intermodulationsverzerrungen. Im Original ist der
Intermodulationsabstand besser als 90dBc.
Denkbar sind auch richtig perfide Tests. Beispielsweise könnte
man der normalen Musik Störsignale überlagen, dann die
mp3-Codierung durchführen und die Störsignal wieder
subtrahieren. Dies sollte mp3 vor echten Problemen stellen, denn
bei großen überlagerten Signalen würden diese Feinheiten im
Original verdecken. mp3 würde dann die Feinheiten zur
Komprimierung unterdrücken und schlieslich fehlen diese am Ende,
was durchaus hörbar sein dürfte, da ja nach der Subtraktion der
Verdeckungseffekt wegfällt. Völlig immun gegen derartige
Effekte sind nur lineare und zeitinvariante Systeme, aber dazu
gehört weder mp3 noch ein Verstärker, ein DA-Umsetzer oder gar
ein Lautsprecher.
Erwartungen gab es auch an den indirekten Vergleich Lautsprecher
gegen Kopfhörer. Zwar kann ein Kopfhörer nicht dasselbe
natürliche Klangbild von Lautsprechern liefern, jedoch ist ein
500DM-Kopfhörer in einigen Parameter, wie Impulsverhalten,
Entdecken von Rauschfahnen o.ä., selbst 10.000 DM-Boxen
erheblich überlegen. Auch kann man problemlos eine Lautstärke
weit jenseits der Zimmerlautstärke dauerhaft ohne
Nachbarschaftskonflikte realisieren.
In mancherlei Hinsicht ist der mp3-Test deutlich einfacher als
z.B. Lautsprechertests. Es kann nämlich immer auf dieselbe
Hardware zurückgegriffen werden. Auf diese Weise wird durch
nicht perfekte Geräte, wie z.B. CD-Brenner, CD-Player,
Lautsprecher, Verstärker usw., Original und mp3-Variante
gleichermaßen beeinflußt, d.h. niemand wird bevorzugt,
höchstens werden die Unterschiede verwischt. Lediglich bei
wirklich schlechten Geräten könnten sich negative Effekte auch
wieder aufhaben (z.B. Frequenzgangüberhöhungen).
Die Stücke - Was wir uns genehmigt
haben
Der 1. Test - Auf den ersten Blick
Der Hörtest - Der Nachschlag
Detektivarbeit - Wieso, weshalb,
warum?
Fazit (mit Update)
Zum Nachschlagen:
[1] http://www.trail-n-error.de/mp3theorie1.htm
[2] http://hellgate.hs-bremen.de/mp3/artikel.htm
[3] http://www-stud.fht-esslingen.de/~alkoit00/mp3enc/
[4] http://www.raum.com/mpeg/reviews_quality.html
[5] C. Meyer, ct´ Heft 6/00, S. 92ff
[6] ct´ Heft 22/00
[7] http://www.mp3-tech.org
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Copyright © 2000 Stephan Weber. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: Februar 08, 2002.