Der 1. Test
Mit den insgesamt rund 14 Minuten Original-Audiosignalen à 1-3
Minuten ergibt sich eine nicht gerade geringe Testzeit: Original
hören und mit mp3 vergleichen, bei Unsicherheiten Wiederholung.
Zusätzlich wurde bei einigen Aufnahmen auch gestetet, ob sich
die Qualität verschlechtert, wenn das mp3 noch einmal durch den
Kodierer läuft. Um den Grad der mp3-Verzerrungen abzuschätzen,
wurden drei Aufnahmen von den Original-CDs auch analog über eine
einfache PCI-Soundkarte (Ensoniq von Creative) vom
Kopfhörerausgang des CD-Players über ein hochwertiges 12m-Kabel
als WAV durchgeführt. Anschließend wurde im Wave-Editor die
Lautstärke den CD-Originalen angepaßt, da schon kleine
Lautstärkeunterschiede einen Hörtest beeinflussen können.
Auch wenn es natürlich eine gewisse Beeinflussung des Hörtests
darstellt: Zunächts wurden die synthetischen Signale mit
CoolEdit ausgewertet, da dazu kein aufwendiger Hörtest notwendig
ist: Das Pulssignal erweist sich dabei als recht deutlich
verzerrt, insbesondere sind Überschwinger von einigen Prozent
festzustellen. Interessanterweise werden beide Kanäle des
Monosignals mitunter merklich unterschiedlich verarbeitet. Bei
zweimaligen mp3-Durchlauf ändert sich die Signalform praktisch
nicht zusätzlich. Analoge Verstärker wären diesbezüglich
merklich besser, Lautsprecher allerdings erheblich schlechter.
Die Unterschiede zu den zwei weiteren Decodern waren relativ
gering (Überschwingen und Rauschfahnen in der selben
Größenordnung). Zum mp3-Kodieren zeigte sich mpeg Encoder
V.0.06 jedoch als merklich besser (keine Überschwinger,
Rauschenfahnen in der selben Größenordnung), dafür arbeitete
er wesentlich langsamer (ca. 25 Minuten für 1´30´´ Musik auf
einem 233MHz-PC!). Zwar kann man einwenden, daß solche
künstlichen Signale mit Musik wenig zu tun haben, jedoch gilt
dies im Techno-Zeitalter keinesfalls mehr.
Spannend war auch die Auswertung des 2-Tonsignals: Bei analogen
Schaltungen würden sich durch deren Nichtlinearitäten
zusätzliche diskrete Spektrallinien ergeben, z.B. Summen- und
Differenzfrequenzen. Bei mp3 sieht das Signal im Zeitbereich nur
minimal verrauscht aus. Die Frequenzanalyse per FFT bringt
Klarheit: Es entstehen keine neuen diskreten Verzerrungen,
sondern eine Rauschschleppe um die beiden ursprünglichen Signale
herum. HF-Techniker kennen solche Rauschformen z.B. vom
Phasenrauschen bei Oszillatoren her. Auch hier schadet die
doppelte Konversion nicht signifikant. Nach analogen
Gesichtspunkten schlägt sich mp3 also gut, immerhin kein
Grundrauschen, kein Brummen, keine Intermodulation und auch keine
Frequenzgangabfall, wie ein zusätzlicher Test mit weißem
Rauschen zeigte.

Bild 1 : mp3-Verhalten bei Sinus-Bursts. Einige Enkoder liefern
weniger Überschwingen, die Rauschfahnen sind jedoch typisch. Nur
der LAME-Enkoder war schon bei 128kBit/s praktisch perfekt,
andere benötigten ca. die doppelte Rate!


Bild 2 : mp3-Verzerrungen im Spektrum bei einem 2-Tonsignal,
darunter das Original. Auch hier war nur der LAME-Enkoder bei
128kBit/s (fast) mängelfrei, andere selbst bei 256kBit/s nicht.
Nach diesen Erfolgen bei der detektivischen Arbeit wurde die
Beethovenaufnahme wegen seiner vielen Impulse näher untersucht.
Auch hier sieht man im Wave-Editor schöne Impulse, die aber
diesmal bei mp3 optisch gut erhalten bleiben. Anschaulich ist
dies aber auch klar, da ja hier etwaige Über- und Nachschwinger
sich mit den folgenden Tönen vermischen. Genaueres kann man aber
erfahren, wenn man einfach das Differenzsignal bildet, was ohne
Übertragungsmängel Null sein müßte. Ganz so einfach ist es
jedoch nicht, da schon eine - eigentlich nicht störende -
Laufzeit eine Differenz ungleich Null nach sich ziehen würde. So
ist es dann auch der Fall. Bild 3 zeigt deutlich, die
Zeitverschiebung von ca. 23ms.

Bild 3 : oben mp3 und unten das Original, jeweils der linke Kanal

Bild 4 : Detailansicht: oben mp3 und unten das Original, nach
Ausgleich der Laufzeit
Führt man den Laufzeitausgleich durch, so bleiben im Zeit- und
Frequenzbereich optisch marginale Unterschiede, welche wesentlich
weniger auffallend sind als bei den synthetischen Signalen. Auch
von Rauschfahnen optisch keine Spur. Lediglich wenn man (nach
Delay-Ausgleich) die Differenz bildet zeigt sich, daß sich das
Auge doch täuschen läßt und die Unterschiede doch erheblich
sind. Dies muß allerdings nicht komplett auf nichtlineare
Verzerrungen zurückzuführen sein, sondern z.B. auch auf
Gruppenlaufzeitschwankungen über der Frequenz. Insgesamt geht
diese Runde also an mp3. Das es allerdings auch besser geht,
zeigt die Durchführung der Prozedur mit der Analogaufnahme (Bild
5).

Bild 5 : Was ist das Original? CD versus Analogüberspielung
(unten) bei Without You" von Mariah Carey
Aber so schnell wollten wir uns nicht geschlagen geben und haben
deshalb zum ruhigen Anfang von Without You" einige
Sinus-Bursts überlagert. Um Übersteuerungen zu vermeiden lag
der Burstpegel nur bei -26dB (0dB=Vollaussteuerung) und war
deshalb nur als leises Piepsen zu höhren. Nach der
mp3-Kompression und der Subtraktion der ebenfalls komprimierten
Burst waren wir gespannt. Aber wie beim WAV-Format war der Burst
nahezu verschwunden, auch wenn man im Wave-Editor noch minimale
Reste erkennen konnte. Per Soundkarte und Kopfhörer war nichts
Störendes zu hören. Deshalb wurde derselbe Test mit
vergrößerten Burstpegel von nun -9dB wiederholt, wobei man
immernoch deutlich vom Clipping-Pegel entfernt bliebt. Hier
zeigten sich dann deutlich hör- und sichtbare Beeinflussungen.
Die Spitzen in Bild 6 wirken akustisch so wie Kratzen auf alten
Schallplatten. Bei all den Vorabtests fragt man sich nun : Was
sagt das Ohr zu mp3 bei normaler Musik?

Bild 6 : mp3-Signal mit Burst maltretiert
Der Hörtest - Der Nachschlag
Detektivarbeit - Wieso, weshalb,
warum?
Fazit
Die verwendete Audiogeräte
T&A TMR 1 Boxen
Onkyo-Vollverstärker Integra A8780
Sennheiser-Kopfhörer HD 580 precision
CD-Player Sony X33 ES
Soundkarte Ensoniq von Creative in einem PII-PC mit 233MHz
Yamaha CD-Brenner (gebrannt wurde mit 2x Geschwindigkeit)
Insgesamt untere Spitzenklasse mit gutem
Preisleistungsverhältnis.
Die verwendete Software
Als Enkoder : CDex Version 1.10 mit internen Enkoder (zum
Vergleich auch mpeg Encoder V.0.06, NexEncode 2.0, Sound Limit
2.5, Ultimate Encoder 1.05, MpegDJ Encoder 1.97 mit XING-Enkoder,
LAME 3.87 und MusicMatch 5.10 mit FhG-Enkoder, nur für die
Testsignale : Fraunhofer MP3ENC V. 3.1)
Als Dekoder : Dema mp3-Softwareplayer Version 2.0.0 (zum
Vergleich auch Audioactive MP3 Decoder V1.1.2, CoolDecode 1.4 und
MusicMatch 5.10)
Zur Analyse und Signalgenerierung : CoolEdit 96
Zum Brennen : WinOnCD 3.5
Sämtliche Programme sind im Internet verfügbar. Bei den
Enkodern wird für die eigentliche Kodierung oft auf
Standardmodule zurückgegriffen und nur die Oberfläche eigens
programmiert. Hinter den 8 Programmen verbergen sich
gehörmäßig 5 unterschiedliche Enkoder.
Hörerkommentare
Wenn man bei Napster endlich einige seiner langgesuchte
Lieblingslieder findet, kann man schon euphorisch werden. Wenn es
sich um ältere Songs handelt, dann ist auch meist die
Klangqualität akzeptabel. Angesichts der Testergebnisse stellt
sich jedoch die Frage, ob CD-Brenner nicht doch die größere
Gefahr für die Musikindustrie sind.
Zwar ist mp3 nicht perfekt, aber viele werden den
Unterschied kaum merken. Was will man mehr für umsonst? Neue
Komprimierungsverfahren werden sich nur durchsetzen, wenn sie
ebenfalls frei kopierbar sind.
Den Komprimierungsverfahren gehört die Zukunft, denn der
Einsatzbereich wird sich dank UMTS, DAB und digitalem Fernsehen
weiter ausdehnen.
Komisch, daß die Klangqualität des Originals relativ
wenig Einfluß auf mögliche mp3-Probleme hat. Bei Klassik sind
Fehler keineswegs leichter zu hören.
Ist das ein Schrott, hört sich komisch, da ist ´was
faul.
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Copyright © 2000 Stephan Weber. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: Dezember 08, 2000.