Fazit (mit Update)
Den ultimativen mp3-Test wird es wohl kaum geben, interessante
Aspekte wie das Verhalten von Hardwareplayern oder ein Vergleich
zur Minidisk blieben hier beispielsweise außen vor. Anzumerken
ist in jedem Fall, daß jegliche %-Angaben bei Hörtests nie repräsentativ
sein können. Das relativ schlechte Abschneiden vieler mp3-Aufnahmen
kann bei schlechterer HiFi-Anlage oder anderer Musikauswahl oder
Software durchaus ins positive umschlagen. Überrascht waren wir,
daß mp3 sich oft durch so leicht erkennbares immer wieder
vorhandenes Zischeln oder Rauschen bei Impulsen outete, vor allem
wenn man sich ein wenig eingehört hatte. Neuerdings wird für mp3
oft der Begriff CD-nah" verknüpft, was einigen Testhörern
allerdings etwas zu pauschal und zu schönfärberisch vorkommt,
zumal es ja tatsächlich CD-nahe Audiogeräte gibt (z.B. DAT).
Eine mp3-Spieler-Bedienungsanleitung belegte sogar 128kBit/s mit
dem Begriff CD-Qualität" und 96kBit/s mit CD-nahe",
dem können wir uns nicht anschließen.
Wie erwähnt, liefern die mp3-Enkoder durchaus unterschiedliche
Ergebnisse [3, Tenor: Unterschiede sind deutlich vorhanden,
jedoch bleiben alle weit von der CD entfernt,4] und auch bringt
die Erhöhung der Datenrate auf 256kBit/s auch noch einiges [5,
dort sank sank bei 256kBit/s die Trefferquote im Blindtest
erheblich]. Leider hilft dies nicht immer weiter, bei unseren
Burst zeigten nicht alle Enkoder eine kontinuierliche
Verbesserung bei ansteigender Bitrate. Auch sind die 128kBit/s am
häufigsten anzutreffen und bei einer beliebigen mp3-Datei aus
dem Internet weiß man auch bestenfalls nach dem Download welcher
Enkoder verwendet wurde. Mit durchschnittlichen Enkodern lassen
sich leider erst ab 256kBit/s gute Aufnahmen generieren. Bei sehr
guten Enkodern ist mp3 jedoch auch bei 128kBit/s gut geeignet und
dies bezeugt, daß die Entwickler angesichts des hohen
Komprimierungsfaktors sehr gute Arbeit geleistet haben. Reserven
für Weiterentwicklungen sind sicher noch vorhanden und können
mit erhöhter Rechenleistung erschlossen werden. Äußerst
wichtig wäre auch die Absicherung des Qualitätsnineaus, denn
gute Enkoder zeigen bereits jetzt was möglich ist. Leider geht
die Entwicklung neuer Formate (z.B. Real Audio 8, Windows Media
Audio oder Advanced Audio Coding, kurz AAC, [6,7]) eher
hinsichtlich schnellerer Kodierung oder höherer Kompression bei
akzeptabler Qualität (z.B. für UMTS-Handys oder als Teil von
Videoübertragungen) als in Richtung HiFi. Die guten Ergebnisse
bei der Analogüberspielung zeigen auch ganz deutlich, daß es
neue, geschützte Datenformate sehr schwer haben werden,
abgesehen von Akzeptanzproblemen, Lizenz-Hick-Hack und dem nie
100%igen Kopierschutz. Aber auch Nicht-Computerfreaks können zum
Zuge kommen: Schlieslich kann man analoge Kopien nie verhindern,
und wenn dafür die Verluste geringer sind als die bei der
Kompression....
LAME ausgequetscht
Bei der Heimanlage - und bisherigen Test - steht natürlich die
Qualität im Vordergrund, beim Internetvertrieb oder bei mobilen
mp3-Geräten ist dagegen ein minimaler Speicherbedarf bei mäßigen
Verlusten anzustreben. Viele mp3-Player haben (nur) 32MByte
Speicher, bei 128kBit/s sind die Titel durchschnittlich ca. 4MByte
groß, sodaß auf den teuren Speicher (32MByte kosten als CF-Karte
kamen Mitte 2001 um 50 Euro) nur magere 8 Lieder passen. Welche
Maßnahme beim Kodieren genau was bringt, wurde anhand zweier (gekürzter)
Cat-Stevens-Songs genau untersucht.
Als Erstes wurde einfach die Bitrate reduziert. Bei 96kBit/s ist
die Qualität noch akzeptabel, aber von der CD schon weit
entfernt. Bei Verwendung von 15-Euro-Kopfhörern dürfte der
Unterschied aber noch vergleichsweise gering sein. Bei 64kBit/s
ist die Klangqualität definitiv schlecht! Ein Vergleich Joint-Stereo
gegen Intensitäts-Stereo (Option -m f) zeigte keinen wirklichen
Unterschied, wobei die ausgewählten Stücke einen recht starken
Stereo-Effekt zeigen. Einiges kann man sich von der variablen
Bitrate VBR versprechen, welche allerdings von vielen Abspielgeräten
nicht unterstützt wird. Beim Kodieren zeigte sich leider auch,
daß VBR auch einiges mehr an Rechenleistung verbraucht, die Zeit
verdoppelte sich in etwa. Beim Hören gab es dann aber auch Überraschungen.
Beim Reduzieren der Bitrate reduziert LAME standardmäßig auch
die Bandbreite über ein Tiefpaßfilter. Bei VBR ist der Höhenabfall
dagegen kein Thema. Dies wäre an sich sehr positiv, wenn nicht -
insbesondere bei Sad Lisa - starke Klirrgeräusche stören würden!
Genau die Hälfte an Speicherplatz und damit viel mehr kann man
beim Übergang auf Mono sparen. Da auch die Kodierzeit sich
erheblich reduziert, ist das durchaus ein guter Tip. Gegenüber
128kBit/s-Stereo reduziert sich der Speicherbedarf auf rund 35%.
Damit passen rund 22 Titel auf 32MByte, also mehr als auf eine CD.
| Typ | Sad Lisa | Killin Time | Klang | Kompression auf | |
| Original WAV-Datei | 26.048,5 kBytes | 15.538,8 kBytes | sehr gut | 100% | |
| 128kBit/s-mp3 | 2.363,3 kBytes | 1.409,9 kBytes | gut - sehr gut | 9% | |
| 96kBit/s-mp3 | 1.772,6 kBytes | 1.057,7 kBytes | mittelmäßig, etwas kratzig | 6,8% | |
| 64kBit/s-mp3 | 1.181,5 kBytes | 705,0 kBytes | schlecht, erheblicher Höhenabfall | 4,5% | |
| v64V8*-mp3 | 1.560,0 kBytes | 1.140,9 kBytes | mittel, aber z.T. starkes Zischen | 6% |
*variable Bitrate mit minimal 64kBit/s und 2. kleinster Dateigröße
Zum Glück sind die Speicherpreise stark gesunken. Beim österreichischen Aldi gab es z.B. 64MByte CF-Speicher für nur 35 Euro. Da lohnt kaum noch das umkodieren. Mit dem neuen LAME 3.90 geht das umrubeln auf eine andere Bitrate sogar direkt ohne temporäre WAV-Datei.
MP3-PRO
Nach den etwas ernüchternden Ergebnissen bei geringen Bitraten,
sollte man sich auch der Zukunft zuwenden. Ein Format, was um die
mp3-Nachfolge ringt ist z.B. mp3-PRO, für das es auch einen mp3-kompatiblen
Software-Player gibt. Tatsächlich zeigen sich merkliche
Verbesserungen: Bei 64kBit/s-mp3-PRO (mehr läßt die Demoversion
nicht zu) erhält man in etwa die normale 96kBit/s-mp3-Qualität.
Die PRO-Version ist dabei sogar etwas breiter im Frequenzgang,
erzeugt jedoch etwas mehr Zischlaute. Insgesamt ergibt sich also
ein Fortschritt, jedoch sind Wunder nicht zu erwarten.
UPDATE: Weitere Tests
Eine Frage, die sich oft stellt, ist was bei mehrfachen Kodieren passiert? Wird dann die Soundqualität zu schlecht?
Auch interessant ist es per CoolEdit oder vergleichbaren Tools einfach Internet-Radio "mitzuschneiden".
Habe also eine gute CD einmal als WAV gerippt und dann mp3-kodiert. Als Zusatzexperiment wurde dann die mp3 wieder als WAV
dekodiert - und dies insgesamt 3x. Ergebnis: Kaum hörbarer Qualitätsverlust bei 128kBit/s! Dann habe ich noch die Original-WAV
im PC abgespielt und mit CoolEdit wieder aufgenommen. Auch hier kaum ein hörbarer Qualitätsverlust. Insgesamt kann man also
ein gutes Gewissen haben, wenn man solche Mehrfachverarbeitungen durchführt!
[1] http://www.trail-n-error.de/mp3theorie1.htm
[2] http://hellgate.hs-bremen.de/mp3/artikel.htm
[3] http://www-stud.fht-esslingen.de/~alkoit00/mp3enc/
[4] http://www.raum.com/mpeg/reviews_quality.html
[5] C. Meyer, ct´ Heft 6/00, S. 92ff
[6] ct´ Heft 22/00
[7] http://www.mp3-tech.org
Tips zu Audio, mp3 und PC
Nicht immer ist mp3 Schuld, wenn der Klang zu wünschen
übrig läßt. Schauen Sie sich wenn möglich die Originale mit
einem Wave-Editor an oder hören Sie sich diese konzentriert an.
Vergleichen Sie mehrere Enkoder. Der Original-FhG-Enkoder
hat zwar einen sehr guten Ruf, ist aber nicht kostenlos. Der hier
meist verwendete Enkoder in CDex ist nicht der beste, aber auch
nicht der schlechteste. Nicht nur unsere eindeutige Empfehlung
ist der LAME-Enkoder [3]. Er eignet sich als DOS-Programm gut für
die Stapelverarbeitung vieler Dateien und es gibt auch graphische
Oberflächen in dem man ihn integrieren kann.
Achten Sie auch auf den Dekoder und führen Sie die Tests
bei der Bitrate durch, die Sie später auch verwenden wollen.
Verwenden Sie beim Hörtest impulsreiche Musik, hier
fallen mp3-Störungen leichter auf. Als besonders kritisch
empfanden wir die beiden Klavierstücke und Without You".
Wählen Sie für hochwertige Zwecke beser eine höhere
Datenrate. 160kBit/s sind eine gute Wahl bei guten Enkodern,
ansonsten sollten es 256kBit/s sein. Manchmal liefert die
Software bei höheren Raten keine Qualitätssteigerung mehr, hier
können aber generelle Fehler vorliegen.
Auch mit WAVE-Dateien oder beim Kopieren von CD auf CDROM
kann leicht etwas schief gehen: Bildschirmschoner aus und KEINE
anderen Aktionen während jeglicher der Bearbeitung der
Audiodateien!
Möchten Sie gute Qualität aus dem Internet? Dann wählen
Sie besser die (leider noch seltene) 256kBit/s-Variante. Bei
guter Verbindung ist diese immer noch schnell genug und die Übertragungskosten
liegen mit ca. 60Pfg pro Titel (ISDN bei 3Pfg/min) noch nicht zu
hoch.
Bei Analogüberspielungen unbedingt Antennenstecker ziehen
und bei direkten Cinch-Verbindungen nicht zu lange Kabel
verwenden. Maximalpegel sorgfältig justieren um Übersteuerungen
zu vermeiden.
PC-Soundkarten können qualitativ durchaus unterschiedlich
sein. Wir hatten mit unserer preiswerten PCI-Karte Glück. Wer
sicher gehen will, studiert am besten die einschlägigen
Zeitschriften, da der Markt sich sehr schnell ändert.
Hörerkommentare
Wenn man bei Napster endlich einige seiner langgesuchte
Lieblingslieder findet, kann man schon euphorisch werden. Wenn es
sich um ältere Songs handelt, dann ist auch meist die
Klangqualität akzeptabel. Angesichts der Testergebnisse stellt
sich jedoch die Frage, ob CD-Brenner nicht doch die größere
Gefahr für die Musikindustrie sind.
Zwar ist mp3 nicht perfekt, aber viele werden den
Unterschied kaum merken. Was will man mehr für umsonst? Neue
Komprimierungsverfahren werden sich nur durchsetzen, wenn sie
ebenfalls frei kopierbar sind.
Den Komprimierungsverfahren gehört die Zukunft, denn der
Einsatzbereich wird sich dank UMTS, DAB und digitalem Fernsehen
weiter ausdehnen.
Komisch, daß die Klangqualität des Originals relativ
wenig Einfluß auf mögliche mp3-Probleme hat. Bei Klassik sind
Fehler keineswegs leichter zu hören.
Ist das ein Schrott, hört sich komisch, da ist ´was faul.
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Stand: Februar 04, 2002.