Die ersten Tage, Wochen, Monate und Jahre mit der Tricker / Home

Kleine Motorräder werden ja oft übersehen: nicht nur von Autofahrern, sondern auch der "Fachpresse". Hier also mein Bericht über die XG250 - auch wenn sie so wohl keiner nennt. Andererseits handelt es laut Yamaha um ein Straßenfahrzeug - so kann man sich irren.

Lang erwartet hat man sie ja, denn im Internet und auf Messen gab es einen Vorgeschmack. Auch hat Yamaha einen schönen Prospekt gemacht. Aus meiner Sicht kann man auch vieles falsch machen, aber zum Glück hat sich das warten gelohnt und fast alles hat Hand und Fuß:

Beim Fahren fällt, neben der wirklich schwachen Vorderradbremse, vor allem das Heulen der Bereifung auf. Die Sitzbank ist recht bequem, auch wenn nur wenige wirklich lange Touren mit der Tricker machen werden, was nicht heißt, das man sich mit der Maschine hervorragend die Zeit vertreiben kann. Im Gegenteil, wo man bisher mit dem MTB geschoben hat oder mit der großen Enduro vielleicht doch Schiß hatte (oder auch nur Unfälle vermeiden wollte), fängt der Spaß mit der Tricker oft erst an. Und wenn was schiefgeht, ist man mit den Füßen schnell bereit. Der Kniewinkel wird viele eher an eine Fireblade erinnern, aber so schlimm ist es auch wieder nicht. Bei Sprüngen fällt die hohe Kopflastigkeit auf, so daß man ordentlich Gas geben und das Gewicht nach hinten verlagern muß. Nur ausgefahrene tiefe Spurrillen machen mir auch mit der Tricker keinen Spaß. Auch fällt manchmal die nicht wirklich riesige Bodenfreiheit auf. Steile Abhänge oder Treppen machen dagegen richtig Lunte. Die Federung ist weich, aber nicht extrem. Meine DRY federt hinten viel extremer ein. Obwohl sich 115kg Leergewicht nicht soviel weniger anhören als bei anderen Enduros, hilft die Kompaktheit, der sehr niedrige Schwerpunkt und die tiefe Sitzposition in der Summe doch erheblich. Nur echte Trialmaschinen sind noch deutlich leichter, was aber wohl eher beim Klettern auffallen dürfte, nicht beim normalen Fahren. Auch haben echte Trialmaschinen meist ein Profil mit kleineren Blöcken und mehr Lücken. Die Trickerbereifung setzt sich schon recht schnell zu. Dadurch, daß das vordere Schutzblech straßentypisch nahe am Reifen montiert ist, wird man selbst bei Schlammschlachten kaum eingesaut. Wenn, dann eher von hinten.

Auf der Straße macht die Maschine eine gute Figur. Nach etwas Eingewöhnung kann man sich in Kurven richtig toll reinlegen. Der Motor hat eine ziemliche Schwungmasse, eben ein richtiger Zweiventiler alter Schule und ist sehr durchzugsstark, was aber auch an der kurzen Übersetzung liegt. Eigentlich könnte man den ersten Gang fast ganz weglassen. Trotzdem bleibt die Maschine auch noch bei hohen Tempo leise. Bei niedrigen Tempo ist sie sogar eine Flüstertüte, vor allem im Vergleich zur DRZ. Bis (GPS-echte!) 120km/h sind möglich, aber die Tricker ist eine Maschine, die in der Stadt und auf der Landstraße auch bei niedrigen Tempo Spaß macht - im Gelände sowieso. Dort muß man etwas beim Gangeinlegen aufpassen, da bei zu sorglosen Umgang, die Gänge auch mal herausspringen können. Zwei-Personen-Betrieb ist möglich, aber man sollte keine allzu großen Füße haben, denn der Abstand der Fußrasten für Fahrer und Beifahrer ist ziemlich gering. Auch scheuert man leicht am Träger der hinteren Fußrasten. Im Vergleich zur Tricker ist z.B. eine Honda XL125 quasi schon ein ausgewachsenes Motorrad. Nur eben, daß eine 125er für vieles doch eben zu schwach ist.

Das Startverhalten ist unkritisch, aber bei kaltem Motor ist der Motor wirklich sehr schwach und mit dem notwendigen Choke pufft es auch öfters im Auspuff, so daß man ihn eher früher als später loswerden will. Der Verbrauch ist mit ca. 3,5l/100km gar nicht mal so niedrig für gerade 19PS, aber 4000€ sind schon ein guter Preis für so ein schönes Motorrad. Meine Suzuki GN250 hatte damals 5300DM gekostet und ca. 3.3l verbraucht. In der gelben Tricker-Version ist der Rahmen schön silber, was ich viel schöner finde als das eher schäbige matte schwarz.

Als kleine Mankos bleiben:

Etwas schade, Yamaha konnte lange zum Zubehör nichts aussagen (Preise, Lieferzeit etc.) und die Preise sind ganz schön gepfeffert. Deshalb habe ich Lenkerschützer im Carbon-Look von Polo montiert. Später kommt vielleicht noch der Unterbodenschutz dazu. Da mir der Yamaha-Gepackträger nicht wirklich gefallen hat, habe ich eine kleine Kameratasche zweckentfremdet und auf das hintere Schutz"blech" montiert. Hab inzwischen den Original-Yamaha-Gabelschutz montiert, aber hier hat Yamaha nicht zu Ende gedacht: der vordere Teil des Standrohrs, den es am meisten zu schützen gilt, der bleibt ungeschützt, weil das Teil schlicht an die Tricker nicht richtig paßt und deshalb um 90 Grad gedreht montiert werden muß.

Wie es weiter geht? Meine Durchschnittstouren mit der Tricker sind ca. 200km lang. Die Sitzbank ist wie gesagt dafür sogar sehr gut, nur der Kniewinkel ist gar nicht Enduro-typisch - was Menchen unter 1,70m nicht stört. Zu zweit ist es sehr eng, also nur für die Stadt oder so.
Im April gehts ins Friaul. Da muss ich auch von München über Kitzbühel, Felbertauern usw. ca. 350km machen. Macht mir aber kein Kopfzerbrechen, denn die Tricker ist definitiv ein vollwertiges Motorrad für - gemütliche - Touren. Rekord mit meiner GN250 war damals Todtnau/Schwarzwald - Berlin in rund 12 Stunden. Und die Sitzbank der GN war auch nicht besser (zu weich auf Dauer).
Ist die Tricker nun eine reine Straßenmaschine, wie Yamaha meint? Sicher nicht! Ein Oldtimer-Verschnitt? Sicher auch nicht! Ein Trialer mit 2-Personenzulassung? Eigentlich schon, universeller ist kaum ein Motorrad, zumindest für Kurzbeinige.

1800km bis zur Winterpause Nichts besonderes: Der Poloschützer hat allerdings beim erstbesten kleinen Umfaller sein Geist aufgegeben. Interessanterweise ist es bei mir immer der Rechte! Abhilfe hat ein Acerbis-Pro mit Alubügel geschafft (billiger als die Yamaha-Teile, aber genauso gut passend). Ein weiterer Ausfall war das Nummernschild, welches nach nur 900km einfach abvibriert war. Eine dritte Schraube unten ist empfehlenswert.
2300km Weiterhin alles prima, vor allem der Acerbisbügel hat sich bewährt. auch die anfangs geschmähten Rückspiegel sind sehr robust. Leider fängt man sich beim Fahren durchs Unterholz viel Äste ein. Der Kettenschutz und der Schutzbügel am Bremsklotz helfen da wenig. Eine Trommelbremse wär doch etwas? Der Kettenschutz kann auch nicht ein Abspringen der Kette sicher verhindern. Zum Glück ist das Plastikteil aber wenigstens robust (war damals bei der DR350 nicht der Fall, allerdings ist die DRZ und KTM's da noch besser).
3100km - Mai 2006 Die erste wirklich lange Tour: München-Galtür-München 400km in 8 Stunden. Nur die Autobahn Garmisch ist ätzend für alle nicht 100PS-Maschinen. Eindrucksvoll, was der Winter in den Alpen so angerichtet hat: Murenabgänge, Lawinen, Bäume entwurzelt, Wege und Brücken weggespült usw. Daran denkt man gar nicht, wenn im Sommer dann von der Kurtaxe die Wege wieder schön hergerichtet sind. Einziger Nachteil der Tricker: 3x nachtanken! Über ca. 2000m kommt man aber nur mit Spaten, denn der Schnee ist auch Mitte Mai noch präsent. Erste Rostspuren an den Fußrasten, leider ganz typisch für viele Motorräder -der Lack ist viel zu dünn.
4450km - Juni 2006 Die Frial-Tour mit Hermann Motorradreisen: 6 Tage fahren ohne Ende bei bestem Wetter. Ans Tricker-Limit kommt eher der Fahrer. Bei nassem Boden wären echte Geländereifen sicher sinnvoll gewesen, aber so: Alles optimal, auch wenn der Hinterreifen schon ziemlich durch den rauhen Fels beansprucht wurde. Auch die Reichweite war nicht kleiner als bei den "Begleitfahrzeugen". Auf kleinen Pässen a la Gailbergsattel oder Plöckenpaß macht die Maschine sowohl bergauf und bergab viel Spass! Habe mich gefreut (und etwas gewundert), daß die Inspektionsintervalle bei 10.000km liegen.
5000km 2. Galtür-Tour - Auffälligkeiten: Kaum, aber die Maschine rennt nur noch ca. echte 110, nicht mehr wie am Anfang fast 120. Bergab auf Pässen ist das Auspuff-Patschen ein gewisser Schönheitsfehler. Habe ca. 0.1-0.2l Öl nachgekippt, und mich wieder über das Bordwerkzeug ärgern müssen.
7200km - August 2006 Kärnten-Urlaub: Alles super, nur das Augustwetter war recht mies. Der Regengrip scheint nicht wirklich gut zu sein, denn auf der Predilpaßstraße bin ich schön langsam weggerutscht. Der Hinterreifen wird langsam fällig.
8000km Der kantige Hinterreifen scheint den Geradeauslauf über 100km/h deutlich zu verschlechtern. Ausßerdem habe ich jetzt Karbon- Gabelschützer montiert - leider sauteuer!
10.200km - Dez. 2006 Inspektion und Hinterreifen für 270 Euro. Da staunt man, wieviel Profil so ein neuer Reifen hat. Der Luftfilter war ziemlich verdreckt und wohl Schuld, daß der Motor eine ganze Zeit lang bei 110km/h im Windschatten sich immer ziemlich verschluckt hat. Schnee liegt z.Z. nur in den Bergen, spiele aber trotzdem mit dem Gedanken mir Schneeketten anzuschaffen. Reifengröße und tiefes Schutzbleck machen die Sache aber nicht einfach.
11.000km - Mai 2007 Training bei Trail&Trail in Schemmerhofen: Alles super gelaufen, anstrengend, großer Zeh etwas lädiert - muss mich also noch verbessern. Im Windschatten eines LKW sinkt der Verbrauch auf knapp unter 3L/100km.
14.500km - September 2007 Sommerurlaub in der Sächsischen Schweiz vorbei!! Wetter OK, aber gar nicht soviel gefahren. GPS ist leider in die Wolfsschlucht gefallen. Eigentlich an einer Stelle, die gar nicht so fantastischen Ausblick bietet. Vorher noch TÜV und AU, mit Lufi reinigen und Geradebiegen des Bremspedals.
16.500km - Juni 2008 Noch gar nicht soviel gefahren. Ein Mini-Umfaller hat mich den rechten Spiegel gekostet. Sommerurlaub demnächst mit Schwarzwald und Eiffel!
19.500km - August 2008 Schwarzwald- und Eiffel-Urlaub haben km gebracht, obwohl der Wetter nicht so toll war. Kette und hinterer Bremsbelag sind am Ende.
20.100km - Oktober 2008 Einige kleinere Herbstouren und die 20.000km sind fällig. Inspektion mit kompletten Reifen-/Kettensatzwechsel war nicht ganz billig: fast 600?! Dafür läuft die Maschine wie neu. Muß mich nur an die noch runden Reifen wieder gewöhnen.
23.000km - Juni 2009 Einige kleinere Touren zum Wandern und die große Alpentour mit 12 Pässen quer durch 5 Länder. Zeit in Bewegung laut GPS 20h 10'!! (Alle Details und tolle Bilder)
rund 27.000km - September 2009 Mit den Bildern hänge ich leider hinterher. Aus Korsika gibt es jetzt ganz wunderbare! An- und Abreise jeweils nur ein Tag. Korsika ist eine echte Enduro-Trauminsel! Am meisten wurde auf der Fähre mein neues Micro-Topcase bewundert (ein kleiner Alukoffer, mit dem man sonst Dinge wie Playstations transportiert). Bei der Rückreise hab ich noch mal Glück gehabt: Erster Regentag - ab Bozen - dafür aber so stark, dass man das Wasser quasi wärend der Fahrt trinken konnte. Auch die Toskana ist recht hügelig gewesen....
32.000km - Juni 2010 Wie die Zeit vergeht. Das Wetter ist ziemlich mäßig, aber immerhin ist die große Tour nach Italien und Kroatien für Juli schon geplant. Die Tricker ist jedenfalls fit!
34.400km - August 2010 I (Verona und Venedig) und CRO (Plitvitzer Seen und Kvarner Bucht) gut überstanden! Reifen sind sogar noch recht OK.
35.600km - November 2010 Ein Minifehler hat sich 1x eingeschlichen: Der Starter ging nicht, obwohl wir doch zum Kino wollten. Zum Glück war es das einzige Mal. Anfang Novmeber ist sich doch glatt noch ne 2-Tage-550km-Tirol-Tour ausgegangen, vom Allgäu bis zum Steinernen Meer. Alles gut überstanden, Reifen werden dann im Frühjahr gewechselt.
37.600km - Juni 2011 Die Reifen sind nun gewechselt und ne Inspektion wurde gemacht. Der Pfingsturlaub ging nach Cres - natürlich mit der Tricker.

Statt Morgenspaziergang

Leider wieder raus aus Trickergebiet